Eine kürzliche Reise in die Balkanregion war für mich eine sehr aufregende Erfahrung. Von Beginn der Reise an, hatte ich ein mulmiges Gefühl, als sich die Nachricht vom Coronavirus verbreitete, aber zu diesem Zeitpunkt war alles noch weit von mir entfernt. Die Reise wurde im Rahmen des Projekts zur Entwicklung und Förderung des Tourismus in der Region organisiert, das vom Regionalen Kooperationsrat durchgeführt und von der EU finanziert wird. Unser erster Halt war in Bosnien und Herzegowina und begann mit sehr schlechtem Wetter. Gleich zu Beginn, blieben wir mit den für den Transport im Land beschafften Jeeps im Schlamm stecken, und die ganze Reise entwickelte sich bald zu einem reinen Abenteuer. Die Idee, mit Skiern steile „Lines“ zu fahren, hatten wir schnell abgehackt, obwohl das Potenzial in den Bergen dort enorm wäre. Die ganze Region ist immer noch vom Krieg geprägt, was dem Gelände eine schöne und raue Atmosphäre verleiht. Leider war einfach nicht genug Schnee in diesem Jahr um alles voll auskosten zu können. Trotzdem liebe ich es, neue Bergwelten zu erkunden und das Gefühl zu erleben, draußen in der Natur zu sein.

Unsere Reise ging nach 2 Tagen weiter nach Montenegro. Bei jedem Grenzübertritt war ich nervös; als Italiener in einer Zeit wo Coronavirus erst anfing können Übergänge schwierig sein, aber Klement, der erfahrenste Mann im Team schaffte es immer wieder, uns durch raffinierte Gespräche mit den Grenzbeamten schnell über die Grenze zu bringen. Von Montenegro aus überquerten wir auf Skiern die Grenze zurück nach Bosnien und verbrachten die Nacht in einer Hütte, wo wir unsere Leidenschaft für die Berge teilten, indem wir uns unzählige Geschichten über das Skifahren und das Leben erzählten. Genau in solchen Momenten wird mir immer wieder bewusst weshalb ich das Abenteuer suche. 

Nichtsdestotrotz ist Skifahren ein Outdoor-Sport und man kann nicht immer mit idealen Bedingungen rechnen. Aber an unserem letzten Tag, an dem wir zum Gipfel des Mount Haijla aufbrachen, wurden wir mit herrlichem Wetter und Neuschnee belohnt. Die Schneedecke fehlte zwar immer noch für richtig gutes Skifahren, aber das Gefühl der Gemeinschaft und der Spaß machten diese Reise für alle unvergesslich. Wir lernten viel über das Land und die Menschen, die dort leben, und konnten ihre Sorgen und Probleme besser verstehen. Fast schon fühlten wir uns wie Botschafter für eine bessere und schönere Zukunft im Land.

Mit vielen neuen Ideen, Eindrücken im Kopf und einem Plan, in Zukunft zurückzukehren, begannen wir unsere Heimreise. Keiner von uns hatte damals eine Vorstellung davon, was wir bei unserer Rückkehr in die Heimat erleben würden. Wir hatten gerade ein Land erlebt, das im krassen Gegensatz zu unserer modernen und zivilisierten Welt in Mitteleuropa stand.

Und jetzt? Jetzt sitze ich seit drei Wochen zu Hause fest. Das Virus verbreitete sich nach meiner Rückkehr so schnell, dass Ausgangssperren und strenge Verbote wie in Kriegszeiten folgten. Mir selbst geht es gut, aber die Angst und die Zweifel, vor allem in Bezug auf die Zeit nach dem Coronavirus, stehen allen Menschen sichtbar in die Gesichter geschrieben. In den letzten Jahren als Sportler war ich so sehr auf das Erreichen meiner Ziele konzentriert, dass ich mir nun eingestehen muss, dass ich ein solches Szenario nie erwartet hätte. Und jetzt, wo das Skitourengehen streng verboten ist, die einzige Fluchtmöglichkeit 200 Meter vom eigenen Haus entfernt ist, sehe ich viele Dinge aus einer völlig neuen Perspektive. Vielleicht wird das die Welt verändern? Vielleicht lernen wir alle zu schätzen, wie privilegiert wir waren? Vielleicht können wir uns in Zukunft in die Lage von Menschen versetzen, denen es nicht so gut geht wie uns, die andere Sorgen haben, als zu entscheiden, auf welchem Berg sie Ski fahren wollen. Eines weiß ich mit Sicherheit: Sobald ich in meine geliebten Berge zurückkehren darf, wird es nie wieder so sein wie früher. Ich werde in Zukunft jeden Schritt auf den Skiern, jeden Schwung und jedes Gefühl, egal wie klein, genießen.  Eines habe ich begriffen: Nichts ist selbstverständlich.

Aber jetzt muss ich Verantwortung übernehmen. Verantwortung für meine Mitmenschen. Jetzt sind die Berge eine Nebensache für die kommende Zeit, und wir müssen alle gemeinsam stark sein, um dieses Virus zu besiegen. Bitte bleibt zu Hause, die Berge werden uns nicht davonlaufen. Und es wird schöner sein als je zuvor.

Orginal Blogpost findet Ihr auf dem Elan Skis Blog.

Simon Hitti

Simon Hitti

Bereits seit meiner Kindheit liebe ich es zu schreiben. Als Unternehmer und Sportler sammle ich viele Erfahrungen, die ich gerne mit der Welt teile.

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